Frauen Power – Die optimale Mischung für die Chefetage

Wer schon einmal eine Führungsposition innehatte, weiß, welch eine Herausforderung es täglich ist, eine gute Führungskraft zu sein. Es ist immer wieder die Balance, auf die es ankommt. Frauen in Führungsrollen müssen sich da noch mehr beweisen, als ihre männlichen Kollegen, weiß Unternehmensberaterin Sabine Fischer. Hier spielen oft die Erziehung und Vorurteile in der Gesellschaft eine prägende Rolle. Bereits im Kindesalter werden die Muster „Buben dürfen Anführer sein, Befehle erteilen und sich durchsetzen – Mädchen sollen angepasst sein, verhandeln und gute Beziehungen pflegen“ vorgelebt. Nichtsdestotrotz werden diese stereotypischen Qualitäten, gepaart mit Klarheit, Selbstbewusstsein und Entscheidungswillen -also mit eher den Männern zugeordneten Eigenschaften – zu einem heute sehr erfolgreichen Führungsstil mit enormem Potential.

 

Frauen in Führung haben andere Herausforderungen

Dass sich Männer und Frauen in ihrem Wesen unterscheiden, ist eine Tatsache. Wir wissen heute, dass die Eigenschaften, die guter Führung entsprechen, u.a. die folgenden sind: selbstsicher,zielstrebig, dominant, dynamisch, rational, entscheidungsfreudig, wetteifernd, distanziert und kommunikativ. Es sind dies Eigenschaften, die typischerweise als positive Eigenschaften Männern zugeschrieben werden, wenn Frauen eben genau diese Eigenschaften und dieses Verhalten an den Tag legen – und das müssen sie, wenn sie gute Führungskräfte sein wollen – dann werden sie häufig als zu dominant, aggressiv oder zu emotional bezeichnet. Und dies sowohl von Männern als auch von Frauen.
Tief verankerte und veraltete Stereotypen und Vorurteile führen dazu, dass es für Frauen mit Top-Führungsqualitäten schwer ist, an die Spitze zu gelangen oder sich dort zu halten.

Diesen Vorurteilen ist bewusst entgegenzuwirken.
Passiert dies nicht, so werden wichtige Potentiale des Unternehmens, nämlich jene der Frauen, nicht genutzt. Doch unterscheiden sich die beiden Geschlechter auch im Führungsstil? „Nein. Jeder und jede Führungskraft führt anders. Der Führungsstil ist individuell, jede Art zu führen kann erfolgreich sein, solange sich die Führungskraft bewusst den Bedürfnissen der Mitarbeiter und des Unternehmens anpasst.“, ist Sabine Fischer überzeugt.

Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern anscheinend in der Prioritätensetzung. So ist eine mehrheitliche Meinung, dass Frauen mehr Wert auf zufriedene Kunden und Mitarbeiter legen, während Männer eher auf Finanzen und Investitionen achten. In unabhängigen Studien konnten diese Thesen vielfach widerlegt werden. Frauen müssen jedoch im Alltag immer wieder diesen Klischees entgegenwirken.

Frauen werden aufgrund der Historie nicht selbstverständlich als Führungskräfte wahrgenommen. Daher zweifeln sie auch öfter an ihrem Tun, sind selbstkritischer und reflektierter, was oft einhergeht mit weniger Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Studien belegen, dass Frauen ihre eigene Leistung niedriger einschätzen als sie effektiv ist und Männer hingegen ihre eigene Leistung meist überschätzen.

Als Frau und Chefin steht daher nicht nur die Führung des eigenen Verantwortungsbereichs an, sondern vor allem die Herausforderung, solchen vorgefertigten Meinungen entgegenzuwirken und nicht an sich und dem eigenen Können zu zweifeln. Dies ist anstrengend und kostet zusätzliche Kraft. Für Frauen in Führung gilt es daher, diese zu stärken und sie darin zu bestärken an den eigenen Selbstwert zu glauben – entgegen aller Vorurteile. Führung hat mit Authentizität und Integrität der Führungspersönlichkeit zu tun. „Es gibt Männer, die schlecht führen und es gibt Frauen, die als Führungskraft nicht geeignet sind. Am Geschlecht kann man das aber nicht festmachen, sondern am individuellen Verhalten,“ ergänzt Sabine Fischer.

 

Typisch “Frau” oder Frauen stärken?

„Es kommt darauf an, welchen Führungsstil man mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen anwendet: anleitend, delegierend, partizipativ, agil oder unterstützend. Jede und jeder hat seine eigene Präferenz und möchte anders geführt werden. Hier können Frauen ihre Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeiten voll nutzen.“, erklärt Sabine Fischer.  Frauen bevorzugen oft einen empathischen, kollaborativen und unterstützenden Führungsstil, weil dieser teamorientierter ist und zu nachhaltigeren Erfolgen in der Organisation führt. Dieselben Ergebnisse erreichen auch Männer mit demselben Führungsstil. Sie wenden ihn derzeit nur seltener an.

Männer fühlen sich mit anweisenden,
Frauen hingegen mit partizipativen und
unterstützenden Führungsstilen oft wohler

Um eine gute Managerin zu sein, muss Frau auch den direkten und anweisenden Stil anwenden.

Klare Ziele und klare Ansagen gehören zum Führen, genauso wie
Ergebniskontrolle und positives sowie konstruktives Feedback.

Dabei ist es wichtig, dass die Chefin trotz guter Führung den Fokus auf das strategische Positionieren, das Lobbying für ihre eigene Person und die kontinuierliche Pflege ihres Beziehungsnetzes nicht verliert. Für das persönliche Weiterkommen und die Förderung der eigenen Karriere ist es notwendig, diese Weiterentwicklung immer im Auge zu behalten und Zeit auch dafür zu investieren. Die Bedeutung dieses sogenannten Networking wird von Frauen oftmals unterschätzt. Frauen erwarten, dass sie mit ihrer Leistung, ihren Ergebnissen und ihrem Einsatz gesehen werden. Sie rechnen gerne damit, dass dies den Weg nach oben sichert. Männern kümmern sich viel aktiver um sich und ihr berufliches Weiterkommen und finden es selbstverständlich, jede Chance für Eigenwerbung zu nutzen. Hier gilt es für Frauen noch viel zu lernen. Auch wenn es oft ungewohnt scheint: Die eigene Entwicklung einzufordern, ganz explizit und klar, klingt für Frauen ungewohnt und funktioniert überraschend gut. So wie Mitarbeiter klare Ziele brauchen, so ist es wichtig, dass Frauen eine klare Vorstellung haben, wie sie sich weiterentwickeln wollen und welche Ziele sie erreichen möchten. Diese auszusprechen und nicht sofort klein beizugeben, ist für einige Frauen unbekanntes Terrain. Frauen brauchen hierfür noch mehr Übung und viel Mut, gilt es doch, sich mit all den eigenen Fähigkeiten aus der Masse hervorzuheben. Ganz entgegen den gewohnten Stereotypen. Wenn sie es jedoch wagen, dann ist ihnen der Erfolg sicher.

 

Faktor F für Unternehmen der Zukunft

Gute Führung vereint die vermeintlich typischen Frauenqualitäten und typischen Qualitäten, die vermeintlich Männern zugeschrieben werden: Organisation, Disziplin, Engagement, empathische und fachliche Kompetenz, Diplomatie, Machtbewusstsein, Durchsetzungsstärke, Selbstsicherheit und Autorität.
Wenn wir davon ausgehen, dass eine Führungskraft versiert genug sein sollte, um alle Qualitäten und Verhalten je nach Situation zu zeigen, dann gibt es keinen Grund, den Frauen Führungspositionen nur zaghaft anzubieten. Im Gegenteil! Die Kombination von vermeintlich männlichen und weiblichen Kompetenzen ist gefragter denn je. In Zeiten der digitalen Transformation, der schnelllebigen Gesellschaft und des Wandels sind vor allem jene Führungskräfte erfolgreich, die es schaffen flexibel auf Veränderung zu reagieren. Kooperation, Innovation, Kommunikation und ständige Weiterentwicklung sowie Anpassungsfähigkeit sind in unserer heutigen Arbeitswelt unentbehrlich. Welcher erfolgreiche Unternehmer kann es sich da leisten auf 50% des Potentials, also auf die Frauen zu verzichten? Wenn die Mischung von „typisch Mann“ und „typisch Frau“ gute Führung ergibt, dann haben Frauen auf dem Weg in die
Chefetage derzeit gute Karten und sollten sich diesen Umstand bei ihrer Karriereplanung zunutze machen. Mit Mut und Übung können sie heute noch ungewohntes Terrain mit Leichtigkeit erobern.

Klar ist also: Mindset, Skillset und Toolset müssen passen, damit das Führen auf Distanz zum Erfolg wird.

Frauen und Männer in Entscheidungsfunktionen können es sich nicht leisten auf die Hälfte der digitalen Talente und die optimale Mischung zu verzichten.

Veröffentlicht in der SWZ-Ausgabe vom 14. März 2020


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